Im Sumpf des Abstiegs

Alemannia kämpft am Ufer des Klassenerhalts um ihre Existenz

Allmählich kann am Tivoli das Thema „Klassenerhalt ohne Relegation“ zu den Akten gelegt werden. Denn da die Alemannia auch im Freitagsspiel gegen den gleichfarbigen Gegner aus Dresden nicht punkten konnte, ist es bei einem Sieg des MSV Duisburg (So. 13:30 Uhr gegen Ingolstadt) nahezu unmöglich, diesen bei einem Rückstand von 9 Punkten noch aufzuholen. Denn den Schwarz-Gelben aus der Kaiserstadt bleiben lediglich 6 Spiele, um für den Verbleib in Liga 2 zu garantieren.
Doch der Gegner im Unterhaus steht nicht still und so konnte am heutigen Samstag das Schlusslicht Hansa Rostock die weiße Weste an den Karlsruher SC abgeben. Die Elf von Neu-Trainer Markus Kauczinski ziert damit nun zunächst vorübergehend den 18. Tabellenplatz, kann sich mit einem Sieg gegen Union Berlin (So. 13:30 Uhr) allerdings bis auf den Relegationsplatz vorspielen und die Alemannia damit auf einen direkten Abstiegsplatz abschieben.

Es ist das Resultat einer desolaten Leistung, die sich nicht nur über die vergangenen fünf Spiele, sondern über die gesamte Saison erstreckt. Schon am 7. Spieltag hatte man sich aufgrund ebenjener von Ex-Trainer Peter Hyballa getrennt und im direkten Anschluss Friedhelm Funkel verpflichtet, der zuvor beim VfL Bochum im Abstiegskampf gescheitert war. Und auch in Aachen kann Manager Meijer „nicht hundertprozentig“ mit dem erfahrenen Fußballlehrer zufrieden sein, kein Wunder, „wenn man aus so vielen Spielen so wenig Punkte holt.“
Zurecht kritisiert der Niederländer den, von dem man sich einst so viel versprochen hatte. Doch ob eine Entlassung während der entscheidenden Wochen wirklich sinnvoll ist, bleibt Ansichtssache.
Fakt ist allerdings, dass es mit der Alemannia so nicht weitergehen kann. Denn auch am Freitag, als es gegen 18 Uhr gegen Ostklub Dynamo Dresden ran ging, präsentierte sich der Kultklub nicht wie jener, der schon seit 28 Jahren in der zweiten Bundesliga kickt. 


Auch wenn mit Kim Falkenberg der wohl wichtigste Bestandteil des Aachener Aufgebots seine Rückkehr in die Startelf feierte, präsentierte sich das Team vom Tivoli zu verunsichert und nahezu unbeholfen. Den Weg vor’s Tor fand man selten, denn das Passpiel endete am Sechszehner und ging nur selten einmal darüber hinaus – und war dies der Fall, landete das Leder entweder Meilen über dem Tor oder direkt in den Armen von Stammkeeper Kirsten.
Zumindest in Halbzeit 1 konnte man davon profitieren, dass sich der Gegner aus dem Osten ähnlich „dumm“ anstellte und das Runde nicht einmal in’s Eckige bekam. Doch dies sollte sich in den nächsten 45 Minuten – anders als den unsteigerbaren Langweiligkeitsfaktor – ändern. Denn die Dresdener hatten einen Fehlpass des unendlich schwachen Hadouirs, der nach seiner Suspendierung vor wenigen Wochen erstmals wieder in der Startelf stand, zu ihrem Vorteil genutzt: Dedic war gut eine Viertelstunde nach Wiederanpiff frei vor Keeper Waterman aufgetaucht, der den Schuss des Slowenen allerdings erst noch parieren konnte. Nachdem Trojan ihn anschließend mithilfe eines Kopfballs erneut in Szene setzte, kam der Holländer allerdings nicht mehr hinterher. Dynamo ging in Führung und versetzte den akut abstiegsgefährdeten Gegner aus dem Unterhaus damit nahezu in einen Schockzustand. Denn fortan bekam die Alemannia überhaupt gar nichts mehr gebacken. Trainer Funkel reagierte, indem er zwanzig Minuten vor Schluss Stiepermann und Radu für den äußerst schwachen Hadouir und Shervin Radjabali-Fardi brachte. Und diese Wechsel hätten sich auch gleich auszeichnen können, denn die beiden Offensivkräfte hatten kaum ihre Position eingenommen, da ging es plötzlich einmal ganz schnell nach vorne. Der eingewechselte Stiepermann hatte Radu auf die Reise geschickt, doch der Rumäne verpasste das Leder im gegnerischen Sechzehner um ein Haar.

Die Partie plätscherte dahin, es war eine langweilige Partie, die eigentlich nur durch unzählige Fehlpässe und das einzige Tor der Dresdener geprägt war. Die Verzweiflung schien den Aachenern in’s Gesicht geschrieben, denn sie bekamen sowohl vorne als auch hinten nahezu nichts mehr auf die Reihe. Als Benjamin Auer kurz vor Ende des Spiels im Strafraum zu Boden ging, schien es das erste Mal gewesen zu sein, dass die zahlreiche Zuschauerschaft (18.572) den Kapitän vor dem weißen Pfosten in Aktion zu sehen bekamen. Das „Fallenlassen“ des Mannes mit der Binde wurde zwar nicht als Schwalbe geahndet, Schiedsrichter Christan Dingert entschied allerdings auch nicht auf Strafstoß.
Es schien die letzte Aktion in diesem Endspiel gegen Dresden zu sein, doch der eingewechselte Sergiu Radu sollte tatsächlich noch eine hochkarätige Chance zum Torerfolg bekommen – und sie, getreu der Aachener Moral, versieben. Elf Meter vor dem Kasten Kirstens bekam Radu das Leder volley auf dem Fuß, verzog dann um Meter, sodass es sich anschließend in der Masse wiederfand, die über diese Darbietung nur noch den Kopf schütteln konnte. Denn es blieb beim Ergebnis von 0:1, der Niederlage gegen Dynamo Dresden, welche die Aachener immer tiefer im Abstiegssumpf versinken lässt.