Derby zwischen vier Wänden

Alemannia überzeugt beim Hallenkick in Essen

Zum Start der Rückrundenvorbereitung hat die Alemannia in den vergangenen Tagen an zwei Hallentunieren teilgenommen. Während sich die Elf von Trainer Friedhelm Funkel beim Licher Hessen-Cup in Frankfurt in allen Runden durchsetzte und zum Ende hin den Siegerpokal in die Höhe halten durfte, hat es am Montag dafür nicht ganz gereicht. Beim Derby-Cup 2012 in Essen zierte die Mannschaft vom Tivoli zwar auch das Treppchen, hatte sich allerdings im Finale gegen Ligakonkurrent Duisburg geschlagen geben müssen.

So groß wie das Aufgebot der Alemannia-Akteure war wohl auch der Anteil der mitgereisten Fans zum Austragungsort in Essen. Die Gruga-(Messe-)Halle wurde einzigst für das Turnier am Montagabend mit Kunstrasen ausgelegt, um das abgegrenzte Spielfeld teilten sich Sitzplätze in abgetrennte Fanlager auf. In großer Zahl erschienen die Anhänger von RW Essen, im unteren Rang Fortuna Düsseldorf, neben denen die geringe Anzahl an Aachenern Platz nehmen durfte. Auf den gegenüberliegenden Rängen hatte sich der MSV Duisburg zusammen mit RWO niedergelassen, die Bielfelder hatten sich hier und da ein freies Plätzchen gesichert, waren auch sie in nicht vergleichbarer Masse erschienen wie vergleichsweise Rot-Weiß Essen.
Die legten auch gleich los, durften im „Eröffnungsspiel“ gegen Arminia Bielefeld ran und verloren, deutlich, mit 0:4. Der Gastgeber rutschte damit zunächst auf den letzten Platz ihrer Gruppe, die zusätzlich zu den bereits genannten Mannschaften auch die Alemannia enthielt.

Neben den Schwarz-Gelben hatte auch Ligakonkurrent Fortuna Düsseldorf bisweilen auszusetzen. In der Gruppe der Rot-Weißen machten nämlich Duisburg und RWO den Anfang, trennten sich, nach 20 Minuten, mit 5:3. Die Zebras gingen dabei als Sieger hervor.

Im Anschluss an diese Partie bekam die Funkel Elf die Chance, sich erstmals nach dem Turniersieg am Freitag in der Halle zu beweisen. Der Regionalligist aus Essen durfte bereits zum zweiten Mal ran, was sich nach abgelaufener Spielzeit auch als letztes Mal herausstellte. Denn auch wenn die Tivoli Kicker nicht das beste Bild von sich gaben, ging der Zweitligist schnell in Führung und konnte diese, bis auf einen Patzer Krumpens (der zwischenzeitig für den Ausgleich sorgte) über zwanzig Minuten halten. Den Fehler seines Keepers hatte Stiepermann nämlich schon wenige Minuten später ausgebügelt, indem er einen Strafstoß zur erneuten Führung verwandelte. Nach diversen (positiven) Veränderungen des Spielstands durch Fardi, Engelbrecht und Demai und einem weiteren (unglücklichen) Gegentreffer endete die erste Partie der Schwarz-Gelben mit 5:2.
Die Gastgeber demnach schon in der ersten Runde ausgeschieden (Niederlage in beiden Vorrundenspielen) wurde es in der Gruga-Halle deutlich ruhiger. Das Fanlager der Hausherren verkleinerte sich drastisch, ebenfalls wie jenes der Oberhausener, die nach einer 3:0 Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf nicht ins Halbfinale einziehen konnten.
Das zweite Spiel der Aachener war demnach nur noch Formsache: In der Partie gegen Arminia Bielfeld sollte sich herausstellen, wer den kommenden Gegner der Funkel-Elf markieren sollte. Bei einem Sieg wäre dies der Tabellenzweite, bei einer Niederlage der Tabellenerste der anderen Gruppe gewesen. Bei einem Unentschieden (sowie gleicher Tordifferenz im ersten Spiel) hätten die meistgeschossenen Tore dazu beigetragen, dass die Alemannia in ihrer Gruppe den Tabellenführer markiert hätte.
Doch ehe es überhaupt zu solchen großen Mathematikübungen kommen konnte, mussten sich die Aachener erst gegen den Drittligisten beweisen – und scheiterten dabei im Ganzen. 
Nicht nur die Gäste in der Gruga-Halle bekamen die wohl langweiligste Partie des Turniers zu sehen: Auch vor den heimischen Fernsehern ist der ein oder andere Zuschauer wohl gerade so am Schlaf vorbeigekommen. 
Für beide Teams ging es um nichts mehr, waren sie schließlich beide bereits (durch das Ausscheiden RW Essens) in die nächste Runde eingezogen. Für die Alemannia bedeutete dies konkret, dass sie scheinbar gar nichts mehr zu tun hatte. Nach vorne ging über lange Zeit nichts, hinten bereitete man den Bielefeldern ebenfalls keine große Mühe, den Torerfolg zu suchen. Hätten diese nicht eine ähnliche Antriebslosigkeit an den Tag gelegt, hätte das Ergebnis nach der abgelaufenen Spielzeit wohl noch deutlicher ausfallen können. Doch der Tabellenvierzehnte der dritten Liga schien sich mit dem 2:0 Erfolg über den Ligahöheren zufrieden zu geben, standen sie nach beendeter Vorrunde dann schließlich als Gruppenerster da.
In der anderen Gruppe hatte sich im letzten Spiel vor dem Halbfinale zwischen Fortuna Düsseldorf und dem MSV Duisburg kein Sieger ermitteln lassen, weswegen nach einem Endstand von 4:4 die leicht bessere Tordifferenz den Fortunen den ersten Gruppenplat sicherte. 
Die folgenden Begegnungen standen damit fest: Im ersten Spiel traf der MSV Duisburg auf Gruppensieger Bielefeld; die Alemannia durfte sich im Anschluss mit dem Rivalen aus Düsseldorf messen.

Nach einer kurzen Pause startete das Halbfinale demnach mit der Partie der Zebras gegen die „gleichfarbigen“ Bielefelder, in welcher es auf dem Platz wohl zu den heftigsten Aufsehern des Turniers kam. Nach einem harten Foul eines Bielefelders an Maurice Exslager musste dieser von den Sanitätern vom Spielfeld getragen werden. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sich der 20-Jährige „nur“ eine schwere Schultereckgelenkprellung zugezogen hatte.

Trotz des „Unglücks“ für den MSV setzte sich dieser mit 1:3 gegen die Arminia durch und sicherte sich somit das erste Ticket für das Finale des Schauinsland-Reisen Derby-Cups 2012.
Um es dem indirekten Tabellennachbarn in Liga 2 darauffolgend gleich zu tun, musste sich die Alemannia im Halbfinalspiel gegen den Herbstmeister aus Düsseldorf durchsetzen. Doch der Gegner aus dem Oberhaus erwischte den besseren Start, ging schon nach wenigen Minuten durch Lambertz in Führung. Auf der anderen Seite glich Junglas allerdings noch in der gleichen Halbzeit wieder aus. Fortan übernahmen dann die Alemannen: Wenn man dachte, dass sich schon der Führungstreffer durch Andreas Korte hatte sehen lassen können, dann fand man für den anschließenden Treffer Marco Stiepermanns nur schwer die richtigen Worte. Nachdem Radjabali-Fardi in der gegnerischen Hälfte zu Boden gegangen war, entschied der Schiedsrichter auf Freistoß. Indirekt ausgeführt jagte die Leihgabe von Borussia Dortmund die Kugel anschließend ins Netz, unhaltbar, Vollspann, direkt unter die Latte.
Es war der Siegtreffer für die Schwarz-Gelben, der ihnen garantierte, erneut ins Finale des Hallencups einzuziehen. Nachdem sich Fortuna Düsseldorf im „kleinen Finale“ den dritten Platz gesichert hatte (9:3 gegen Arminia Bielfeld), erwartete der MSV Duisburg die Tivoli-Kicker zum vorgezogenen Derby (Ligaspiel Mitte April).
Nach vielen lahmen Kicks und enttäuschender Stimmung im Inneren der Gruga-Halle sorgte das Finale dann doch dafür, dass man im Endeffekt behaupten konnte, dass es sich schon irgendwie gelohnt hatte, einmal selbst mit vor Ort zu sein.
Denn die übrig gebliebenen Fanlager schlossen sich für’s große Finale zusammen: Auch wenn wohl keiner der gegnerischen Fangemeinden so richtig „für“ die Rivalen war, ertönte hier und da ein gemeinsamer Fangesang, der sich dann aber meist gegen den MSV Duisburg statt für das Team vom Tivoli richtete. 

Die Aachener zumindest was die Anfeuerungen betraf in der Überzahl erwischten neuerlich den schlechteren Start: Mark Flekken geriet unglücklich an einen Bandenabpraller, der hinter dem Keeper dann in’s Tor kullerte. Auch wenn der Fehler auf der anderen Seite im Anschluss beseitigt werden konnte, ging es auf und ab was die Toranzeige betraf. Im Sekundentakt wechselten die Mannschaften die Seiten, standen sich einander in nichts nach. Mit leichter Führung gingen die Zebras in die Pause, mussten im Anschluss dann doch wieder den Anschlusstreffer einstecken. Und auch Keeper Flekken musste sich im Turnier noch ein letztes Mal hinter sich greifen. 4:2 hieß es wenige Minuten vor Ende der Partie, als Daniel Engelbrecht mit seinem Treffer zum 4:3 noch einmal die Gemüter erhitzen ließ. Alemannia wollte sich um jeden Preis den zweiten Hallencup in Folge sichern, kam dann, wenige Sekunden vor dem Ende auf die glorreiche Idee, einen weiteren Feldspieler für Keeper Flekken zu bringen, was vom Schiedsrichter prompt mit einer gelben Karte geartet wurde. Auch bei einem Hallentunier muss der Torwart sichtbar gekennzeichnet sein und schließlich „sind wir hier nicht beim Eishockey“.

Viel Trubel, viel Aufwand, der nach gespielten 24 Minuten (im Finale wurde die Spielzeit pro Hälfte auf 12 Minuten erhöht), nicht belohnt wurde. Mit dem zweiten Platz im Schauinsland-Reisen Derby-Cup 2012 kehrten die Schwarz-Gelben an den Tivoli zurück, wo sie am Freitag der 1. FC Köln erwartet. Im Testspiel kehrt die Elf um Lukas Podolski um 20:15 zum Lokalrivalen, bislang hat der Verein, laut eigenen Angaben, rund 10.200 Karten verkauft.