Klassenunterschied? Von wegen!

Alemannia lässt Spitzenreiter Fürth in starkem Remis alt aussehen!

Die Unterschiede beider Mannschaften, die am Sonntagvormittag aufeinandertrafen, hätte wohl größer nicht sein können. Während die einen die Liga stürmen und mit einer einzigartigen Siegesserie glänzen (6 Spiele, 6 Siege), geht es bei den anderen momentan einfach drunter und drüber. Nach 7 sieglosen Partien, aus denen nur magere drei Punkte hervorgingen, entließen die Schwarz-Gelben am Dienstagmorgen mit Peter Hyballa auch Kollegen van der Luer.
Ausgerechnet vor der Partie gegen den Spitzenreiter standen die Alemannen also ohne Trainergespann da, sodass es Interimscoach Ralf Aussem zu richten hatte. Neben dem U23-Trainer mit langjähriger Profierfahrung nahm unter anderem auch Erik Meijer auf der Bank Platz. Der Manager der Schwarz-Gelben hat bis zum heutigen Tag noch keinen endgültigen Nachfolger für Hyballa bestimmen können, dies solle sich allerdings schon in naher Zukunft ändern, versprach er im direkten Anschluss an die Begegnung.
Die Änderungen der Personalie Hyballa hatten zur Folge, dass sich auch auf dem Rasen etwas tat. Aussem veränderte die Elf der letzten Woche (schwaches Remis in Paderborn) auf gleich vier Positionen. Überraschend war, dass Benjamin Auer erstmals seit der Pleite in Pauli zu Beginn auf der Bank Platz nehmen musste. Der Kapitän gab die Binde an Sibum ab und machte somit Platz für Radu, der in der Aachener Offensive den zentralen Mittelpunkt markierte. Und auch über die Außen stürmten am Sonntag andere Gesichter: Anouar Hadouir bekam den Vorzug gegenüber Stiepermann und feierte damit, ähnlich wie David Odonkor, sein Debüt in der Startelf. Für den Ex-Nationalspieler musste Ray Yabo weichen.
Im 4-3-3 markierte Bas Sibum die Sechserposition, knapp davor kamen Kevin Kratz und Manuel Junglas. Die Viererkette bildete sich wie in der letzten Woche aus Achenbach, Feisthammel, Olajengbesi und Radjabali-Fardi, weil Thomas Stehle und Mario Erb weiterhin verletzt ausfielen.
Verletzungsbedingt auch der Wechsel im Aachener Kasten: David Hohs stand zwischen den Pfosten, weil sich Stammkeeper Boy Waterman mit Adduktorenproblemen quälte. Seinen Ersatz markierte der selbst nicht ganz genesene Tim Krumpen.
Die Alemannia ließ von einem scheinbaren Klassenunterschied in den Anfangsminuten nicht sehen, sondern spielte überraschender Weise befreit auf und hatte zu Beginn die klar besseren Chancen.
David Odonkor bewies Klasse, als er sich wenige Minuten nach dem Anpfif das erste Mal auf Rechts durchsetzen konnte. Der Abschluss des schnellen Flügelflitzers allerdings zu unplaziert, Radu schaffte es nichtmehr, die Flanke mit dem Kopf zu erreichen. Im zweiten Versuch war der 27-Jährige dann zu eigensinnig: Nachdem er wieder perfekt über Außen gekommen war, probierte er sich selbst an Keeper Grün. Sein Schuss erreichte den Schlussmann der Grün-Weißen allerdings nicht einmal.
Vor allem in Form von Odonkor ging von den Schwarz-Gelben in den Anfangsminuten mächtig Druck aus. Hinten stand man kompakt, vorne fehlten abermals wenige Zentimeter für den entscheideten Treffer. 
Die Alemannen spielten nicht so, als würden sie seit dem ersten Spieltag im Tabellenkeller gefangen sein – und auch der Tabellenerste bewies nicht, dass er zurecht dort oben stand. Die Alemannen hatten die Kleeblätter in der Hand, ließen diese kaum bis an den eigenen Sechszehner vorstoßen. Doch gerade in einer Druckphase der Gastgeber erlitten diese einen herben Rückschlag. Nachdem Junglas mit gestrecktem Bein in einen Fürther  gegangen war, zog Schiedsrichter Stieler glatt Rot. 
Doch es blieb nicht das einzige Pfeifkonzert, wenn es um Entscheidungen des Unparteiischen ging. Nur vier Minuten später nämlich hatte dieser abermals eine schwere Entscheidung zu treffen: In einer ähnlichen Situation wie zuvor ging Edgar Prib mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf. Sergiu Radu ging darauf zu Boden und Schiedsrichter Stieler zögerte nicht lange, auch in diesem Fall die Rote Karte gegen den Foulenden zu zeigen. Beide Karten waren im Endeffekt vertretbar, das Spiel basierte in der verbleibenden Stunde auf einem Zehn gegen Zehn.
Immer wieder war es auch im Anschluss David Odonkor, der vor dem gegnerischen Tor für Gefahr sorgte. Die Fürther statteten Keeper Hohs dahingegen nur selten Besuch ab, viel davon, weiterhin Spitzenreiter zu sein, zeigten sie nicht.
Die größte Chance der ersten Halbzeit wurde dann allerdings doch nicht in der Personalie Odonkor ausgeführt. Shervin Radjabali-Fardi hatte sich wunderbar auf Außen freigespielt, umrannte gleich mehrere Fürther Abwehrspieler und versuchte sich aus spitzem Winkel dann selbst. Der Abwehrmann zwang Keeper Grün zu einer Parade, wenige Minuten später war dann auch Schluss. Es ging torlos in die Kabinen, auch wenn sich vorallem die Schwarz-Gelben in der ersten Hälfte einen Treffer verdient gehabt hätten. Es war wohl mit die stärkste Halbzeit der Tivoli-Kicker der ganzen Saison.
Ralf Aussem zog es wie Trainerkollege Michael Büskens vor, seine „Zehn“ in der Halbzeit noch nicht zu verändern. Die Personalien also die selben, starteten die Schwarz-Gelben mit nicht ganz so viel Elan in die zweite Hälfte. Das hohe Tempo der bereits vergangenen 45 Minuten hing ihnen in den Knochen, sodass man als Fan auf der Tribüne die Augen schon einmal zukneifen musste, als beispielsweise das Leder einmal nur wenige Zentmeter von einem Fürther neben den Kasten gesetzt wurde.
Die Alemannen waren fast nur noch nach Standards gefährlich: Hadouir zwang Keeper Grün nach einer guten Stunde dazu, sich ordentlich lang zu machen. Ohne die Parade des Schlussmanns hätte der Freistoß so gepasst. Auch Kratz versuchte es aus ähnlicher Position wenige Minuten später, der Mittelfeldmann setzte das Leder jedoch knapp über die Latte.
Mit frischen Leuten versuchte Aussem noch einmal etwas Schwung in das geschwächte Spiel der Alemannen zu bringen. Für den müden Odonkor kam Marco Stiepermann und auch Ray Yabo durfte Anouar Hadouir in den letzten Minuten ehrenvoll vertreten. Beide Akteure wurden unter tosendem Applaus verabschiedet.
Die beiden Neuen versuchten sich in den Schlussminunten noch einmal zu präsentieren, während Ray Yabo vor Grün jedoch zu egoistisch war, scheiterte Stiepermann klar an diesem. In den letzten Sekunden der Partie hätten die Gäste das Spiel dann allerdings im Handumdrehen für sich entscheiden können. Hohs fasste den Ball gegen zwei Angreifer jedoch sicher und garantierte somit wie Waterman in Paderborn und Rostock in den Schlussminuten das torlose Remis.
Die Alemannia hat damit nach der Pleite des Tabellennachbarn Bochum (0:4 gegen Paderborn) den letzten Platz an diesen abgegeben und steht nach 8 Spieltagen – immer noch mit nur einem erzielten Tor – auf dem 17. Tabellenplatz. Schon am Samstag könnte man nach 4 Niederlagen und 4 Remis dieser „Serie“ einen neuen Namen verleihen, indem man den ersten von 4 Siegen erziehlt. Vielleicht wird bei Union Berlin schon ein neuer Coach im Alemannengewand auf der Bank sitzen.